Samstag, 2. Februar 2008 23:59
Die Panoramazimmer vom Hotel Cedar Inn haben sich leider nur wenig gelohnt, denn auch der Samstag Morgen glänzte nicht mit besonderer Weitsicht; also damit meine ich vor allem einen Blick auf die Himalaya-Bergketten. Kein Grund um auf einen Morgenspaziergang zu verzichten - die Sonne belohnte dies auch umgehend und beleuchtete geradezu malerisch das nahe Wäldchen und die St. Paul’s School.

Wieder vor dem Hotel warteten wir kurz auf Bihm (keine Ahnung wie man das schreibt), unseren Fahrer für den heutigen Tag. Mit ihm fuhren wir dann los, zuerst eine Weile durch die Stadt. Auch wenn Darjeeling wie Kolkata zu Westbengalen gehört, trifft man hier auf ein ganz anderes Indien. Die Menschen sind grösstenteils nepalesischen Ursprungs (mongolische Gesichtszüge), was sich auch in Sprache, Schrift, Kultur, Religion, Mentalität und Politik äussert.
Eine steile Strasse führte uns zum Nipponzan Myohoji Temple (erbaut und bewohnt von japanischen Mönchen); in unmittelbarer Nähe befindet sich die Japanese Peace Pagoda (japanische Friedens-Pagode), wo die vier Avatare Buddha’s ausgestellt sind. Dort trafen wir zum ersten Mal auf Johann von IBM Dänemark, der für kurze Zeit ebenfalls in Kolkata arbeitete.

Unser nächstes Ziel war der Ganga Maya Park. Die Strasse dorthin bot oft einen schönen Ausblick auf die Darjeeling Hügel und die steilen Teegärten. Der Park ist zwar schön anzusehen, trägt aber einen grossen “Touristen”-Stempel: künstliche Folklore, Pedalos auf einem künstlich angelegten See, Vogelgezwitscher aus (in Bäumen versteckten) Lautsprechern, Anprobieren von traditioneller Kleidung etc. In der Nähe befindet sich der Rock Garden mit den Chunnu Summer Falls; den haben wir aber nur von aussen betrachtet und machten uns bald wieder auf den Weg.

Mittagspause machten wir in der Stadt und probierten die Darjeeling-Spezialität: Momos. Mit Fleisch und/oder Gemüse gefüllte Teigtaschen, die gekocht oder frittiert hervorragend schmecken! Danach spazierten wir durch die Markstände und alle deckten sich mit warmen Sachen ein. Für den kommenden kalten Abend wollten wir schliesslich gut gerüstet sein - naja, und mein um den Hals gewickeltes Unterleibchen (Insider!) war auch nur ein Notbehelf.

Hervorragend ausgemützt (das Wort müsste in den Duden!) ging die Tour weiter. Den ersten Halt machten wir am Tenzing Rock (Tenzing Norgay war einer der beiden ersten Menschen auf dem Mount Everest), eine Felsformation, an der auch besagter Everest-Primus rumgekraxelt sein soll. Natürlich ein schönes Fotomotiv, allerdings wollten einige Hüter des Felsens 20 Mäuse alleine für’s Sicherheitsseil-Anfassen. Aber da ist man mittlerweile abgebrüht genug und so kamen wir ungeschoren davon zum Happy Valley Tea Garden.
Happy waren vor allem die Tee- und Souvenirverkäufer, die uns Teepäcklein und noch mehr Mützen andrehen wollten, und das - nach einem kurzen Spaziergang durch die Teefelder - auch mit gewissem Erfolg.
Letzte touristische Attraktion für heute war das Tibetan Refugee Self Help Centre. Als Asyl für tibetische Flüchtlinge gebaut, ist es heute mehr ein Alters- und Weisenheim mit Schule und buddhistischem Tempel, einer kleinen Ausstellung und einem Laden für tibetische Handwerkskunst. Hier haben wir auch Johann wieder angetroffen, der uns den Tipp gab, bei Sonnenaufgang auf den Tiger Hill zu fahren - die Chancen stünden gut, einen Achttaussender-Gipfel zu sehen. Okay, morgen also früh aufstehen!