Beitrags-Archiv für die Kategory 'Gesellschaft'

Autoreparatur nach indischer Art

Samstag, 1. März 2008 13:59

An diesem Samstag begannen meine lang erwarteten Ferien. Am Morgen wollte ich eigentlich noch das Kinderheim besuchen, das ganz in der Nähe liegen soll. Ich habe aber wieder mal feststellen müssen, dass sich die Leute unglaublich schlecht(!) in ihrer eigenen Umgebung auskennen - niemand konnte mir helfen das SOS children village in Salt Lake zu finden. So blieb mir nur übrig, Sam anzurufen und ihn mit der Aufgabe zu betrauen, die Micky-Comics, Kleider und etwas Geld einem guten Zweck zukommen zu lassen. Nicht so schlimm - ich bin überzeugt, dass meine Absicht inzwischen umgesetzt worden ist.

Nach der Verabschiedung von Sam, Sanku und BJ-7 ging endlich meine Reise los. Und sie begann mit einem Knall! Mein Fahrer Mithun musste heftig auf die Klötze treten wegen einem plötzlich bremsenden Auto vor uns. Und der Fahrer hinter uns reagierte bei weitem nicht so gut wie Mithun… . Da standen wir also, mitten auf der Schnellstrasse zum Flughafen, ein etwas eingedrückter Kleinwagen und unser grosser TATA Sumo,  dem auf den ersten Blick nicht allzu viel passiert war. Nach einigen Diskussionen fuhren wir weiter, mussten aber kurz darauf an den Strassenrand fahren, weil sich irgendein Teil am Wagen gelöst hat und suspekte Geräusche auslöste. Es war die hintere “Stossstange” (mehr ein Schutzplasik als ein Dämpfer) die an der Seite herabhing. Aber kein Grund zur Panik, auch in Mithun schlummert ein McGyver: rasch eine Schnur vom nahen Baum gerissen (ja, die hing halt dort…) und mit ein paar geschicken Handgriffen war das Teil wieder am Auto fixiert und ich kam rechtzeitig am Flughafen an.

Der Hintere ist immer schuld!  Klicken um den Film zu starten

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Ein Tag in Darjeeling

Samstag, 2. Februar 2008 23:59

Die Panoramazimmer vom Hotel Cedar Inn haben sich leider nur wenig gelohnt, denn auch der Samstag Morgen glänzte nicht mit besonderer Weitsicht; also damit meine ich vor allem einen Blick auf die Himalaya-Bergketten. Kein Grund um auf einen Morgenspaziergang zu verzichten - die Sonne belohnte dies auch umgehend und beleuchtete geradezu malerisch das nahe Wäldchen und die St. Paul’s School.

Morgenstimmung, St. Paul's School

Bihm, unser FahrerWieder vor dem Hotel warteten wir kurz auf Bihm (keine Ahnung wie man das schreibt), unseren Fahrer für den heutigen Tag. Mit ihm fuhren wir dann los, zuerst eine Weile durch die Stadt. Auch wenn Darjeeling wie Kolkata zu Westbengalen gehört, trifft man hier auf ein ganz anderes Indien. Die Menschen sind grösstenteils nepalesischen Ursprungs (mongolische Gesichtszüge), was sich auch in Sprache, Schrift, Kultur, Religion, Mentalität und Politik äussert.

Eine steile Strasse führte uns zum Nipponzan Myohoji Temple (erbaut und bewohnt von japanischen Mönchen); in unmittelbarer Nähe befindet sich die Japanese Peace Pagoda (japanische Friedens-Pagode), wo die vier Avatare Buddha’s ausgestellt sind. Dort trafen wir zum ersten Mal auf Johann von IBM Dänemark, der für kurze Zeit ebenfalls in Kolkata arbeitete.

Peace Pagoda & Myohoji Tempel

Unser nächstes Ziel war der Ganga Maya Park. Die Strasse dorthin bot oft einen schönen Ausblick auf die Darjeeling Hügel und die steilen Teegärten. Der Park ist zwar schön anzusehen, trägt aber einen grossen “Touristen”-Stempel: künstliche Folklore, Pedalos auf einem künstlich angelegten See, Vogelgezwitscher aus (in Bäumen versteckten) Lautsprechern, Anprobieren von traditioneller Kleidung etc. In der Nähe befindet sich der Rock Garden mit den Chunnu Summer Falls; den haben wir aber nur von aussen betrachtet und machten uns bald wieder auf den Weg.

Ganga Maya Park

Mittagspause machten wir in der Stadt und probierten die Darjeeling-Spezialität: Momos. Mit Fleisch und/oder Gemüse gefüllte Teigtaschen, die gekocht oder frittiert hervorragend schmecken! Danach spazierten wir durch die Markstände und alle deckten sich mit warmen Sachen ein. Für den kommenden kalten Abend wollten wir schliesslich gut gerüstet sein - naja, und mein um den Hals gewickeltes Unterleibchen (Insider!) war auch nur ein Notbehelf.

Momos / Gut ausgemützte Europäer

Hervorragend ausgemützt (das Wort müsste in den Duden!) ging die Tour weiter. Den ersten Halt machten wir am Tenzing Rock (Tenzing Norgay war einer der beiden ersten Menschen auf dem Mount Everest), eine Felsformation, an der auch besagter Everest-Primus rumgekraxelt sein soll. Natürlich ein schönes Fotomotiv, allerdings wollten einige Hüter des Felsens 20 Mäuse alleine für’s Sicherheitsseil-Anfassen. Aber da ist man mittlerweile abgebrüht genug und so kamen wir ungeschoren davon zum Happy Valley Tea Garden.

Happy waren vor allem die Tee- und Souvenirverkäufer, die uns Teepäcklein und noch mehr Mützen andrehen wollten, und das - nach einem kurzen Spaziergang durch die Teefelder - auch mit gewissem Erfolg.

Letzte touristische Attraktion für heute war das Tibetan Refugee Self Help Centre. Als Asyl für tibetische Flüchtlinge gebaut, ist es heute mehr ein Alters- und Weisenheim mit Schule und buddhistischem Tempel, einer kleinen Ausstellung und einem Laden für tibetische Handwerkskunst. Hier haben wir auch Johann wieder angetroffen, der uns den Tipp gab, bei Sonnenaufgang auf den Tiger Hill zu fahren - die Chancen stünden gut, einen Achttaussender-Gipfel zu sehen. Okay, morgen also früh aufstehen!

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Wedding Receptions

Mittwoch, 30. Januar 2008 23:59

Nach der Hochzeits-Zeremonie von Atanu standen noch zwei Receptions auf dem Programm: die von Sajal und Monalisa sowie die von Saunak und Moumita. Bei der Reception wird bei Apéro und Abendessen die Ehefrau den Freunden und Verwandten des Mannes vorgestellt. Viele Leute kommen auch nur relativ kurz vorbei um Glückwünsche auszusprechen, das Buffet zu testen und um sich dann ziemlich bald wieder zu verabschieden.

Sajal & Monalisa
(Sajal & Monalisa)

Saunak & Moumita
(Saunak & Moumita)

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Matterhorn im Himalaya?

Mittwoch, 23. Januar 2008 23:59

Den heutigen Feiertag nutzten wir, um eine Handelsmesse zu besuchen. Ausgestellt war alles von Rasenmäher über chinesische iPod-Kopien bis zum Maschinengewehr! ;)

Indian Trade Fair

Witzig fand ich den Prospekt zum Himalaya. Dazu eine Preisfrage ohne Preis:

Wo steht das Matterhorn?
a) Im Himalaya
b) In den Schweizer Alpen

Matterhorn im Himalaya?

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Nano, Moskitos und Vogelgrippe

Donnerstag, 17. Januar 2008 23:59

TATA Nano (Bild von Wikipedia)Das billigste Auto der Welt haben die Jungs vom Indischen Multikonzern TATA zusammengeschustert. Als “One Lakh Car” macht der kleine “Nano” getaufte Vierplätzer vor allem hierzulande Schlagzeilen, sprechen doch 100′000 Rupien (etwas mehr als CHF 3′000.-) eine relativ breite Kundschaft an. Bis nach Europa wird’s der Nano mit der hiesigen Ausstattung kaum schaffen (man hat halt auch bei der Sicherheit gespart), trotzdem gibt’s Gerüchte über eine Kooperation mit FIAT. Die Fabrik soll in Westbengalen entstehen, leider nach altbekanntem Muster: Sonderwirtschaftszonen erklären, Bewohner vertreiben, Proteste mit Polizeigewalt beenden.

Dass es wieder etwas wärmer wird in Westbengalen scheinen auch die Moskitos gemerkt zu haben - seit Kurzem sind Antibrumm und Stichsalben wieder griffbereit. Dass die so früh kommen hätte ich nicht gedacht, dauert es doch noch eine Weile bis sich die feuchte Jahrezeit zurückmelden wird.

Vogelgrippe in IndienEbenfalls zurückgemeldet hat sich H5N1, das Vogelgrippe-Virus. Oh Mann, schon mit Chicken war die Fleischauswahl eher klein. Auf KFC wollen wir aber nicht verzichten! ;) Nun, wenn die Vogelgrippe-Welle in Europa ankommt, gebt nicht uns die Schuld - wir haben nämlich ganz fleissig jede Menge Federviecher verputzt!

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Die Vermummten

Samstag, 15. Dezember 2007 23:59

Ein VermummterEs ist auch in Westbengalen Winter geworden. Temperaturmässig heisst das, dass sich die Temperaturen zwischen 15°C und 25°C bewegen - in der Nacht also schon fast zu kühl für T-Shirts. Trotzdem ist es für den nördlichen Europäer etwas befremdlich, wie eingepackt viele Einheimische am Tag herumlaufen: Wollmützen, Windjacken und Halstücher welche nur noch die Augen freilassen. Die Jacke bleibt oft auch im Büro angezogen (obwohl sich die Bürotemperatur kaum spürbar verändert hat), und zu Hause öffnet uns ein vermummter Service-Mann die Tür.

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So ein Affentheater!

Sonntag, 9. Dezember 2007 23:59

AffentheaterAffig wurde es einmal direkt vor unserer Wohnung. Ein Strassenkünstler mit drei Affen zeigte uns am Sonntag Nachmittag sein Stück. Zu Trommelrhythmen und Gesang tanzte der eine Affe und schlug Rückwärtssaltos. Der zweite grössere Affe blieb dabei ziemlich regungslos sitzen, das kleine Junior-Äffchen konnte den grössten “Jööö”-Faktor verbuchen, vor allem als es an der Kühlerhube eines Autos herumturnte. War alles lustig anzusehen, aber vom tierschützerischen Aspekt her leider nicht ganz unbedenklich… .

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Post ohne Briefmarken

Samstag, 8. Dezember 2007 23:59

India Post Logo Innenraum der indischen Post

Wohin würdet ihr gehen, wenn ihr ein paar Briefe ins ferne Ausland verschicken wollt? Wahrscheinlich zur Post, war jedenfalls für mich das Naheliegendste. Aber - ich kann es jetzt noch kaum glauben - das offizielle Postbüro in Salt Lake hatte kein Briefmarken! “Sorry, Sir, we have no stamps, we don’t sell them.” Einmal mehr musste ich mich also an die “Bong Connection” (Sam) wenden, damit meine Adventskarten doch noch in die Schweiz gelangen können - möglicherweise aber leider erst nächstes Jahr… . :(

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Lizenz zum Töten für CHF 100.-

Mittwoch, 5. Dezember 2007 23:59

Das, was ich schon lange vermutet hatte, habe ich jetzt Schwarz auf Weiss! So chaotisch wie’s im Strassenverkehr zu und her geht, fragt man sich schon, wie man einigen Fahrzeuglenkern einen Führerausweis geben konnte. “The Telegraph” hat sich dieser Frage mal angenommen und das Resultat präsentiert:

Lizenz zum Töten: CHF 100.- und ein Zigipäcklein

Da würde sogar James Bond neidisch werden: die “Lizenz zum Töten” gibt’s in Indien für ca. CHF 100.- und ein Zigipäcklein!

Ein anderer Weg zum Führerschein...

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Cricket: Indien vs. Pakistan

Freitag, 30. November 2007 23:59

Wenn man schon für eine längere Zeit in Indien ist, sollte man doch auch ein Cricketspiel gesehen haben. Der Nationalsport ist eigentlich Hockey, aber Cricket ist viel populärer, gefolgt von Fussball (zumindest in Westbengalen). Die Geschichte um das Hin- und her mit Tickets ist etwas lang, dazu möchte ich bloss einige Stichworte wiedergeben: Schwarzmarkt, kein Vorverkauf, Ticketschalter die wie Pissoirs aussehen, Attentatsdrohungen, rieses Polizeiaufgebot, leere Ränge an den ersten zwei Spieltagen,… .

Tickethäuser - kein Pissoirs!!!

Ticket: Indien vs. PakistanNun gut, schlussendlich hatten wir fünf Tickets für das dritte Testspiel Indien gegen Pakistan in den Händen - im Eden Gardens Stadium in Kolkata. Test Cricket ist übrigens nicht vergleichbar mit einem Testspiel im Fussball, sondern ist ein Duell zwischen zwei Mannschaften über fünf Tage. Ach, wenn ich schon beim erklären bin, das Regelwerk bei diesem Sport ist recht umfangreich und es dauert etwas, bis man zumindest das Wichtigste verstanden hat. Wir haben uns vorab bei diesem Wikipedia-Artikel über Cricket etwas schlau gemacht.

Nach mehreren Sicherheitskontrollen konnten wir dann auch unsere Plätze beziehen. Das Stadion war erfreulicherweise recht gut gefüllt (Kapazität: 120′000) aber doch nicht so randvoll, so dass wir der blendenden Sonne ausweichen und im Schatten Platz nehmen konnten.

Cricket - Gerry @ Eden Gardens

Die Stimmung war gut, “La Ola” ist auch bei Cricket wohlbekannt, und wenn der “Lokalheld” von Kolkata den Zuschauerrängen entgegenstolzierte nahm der Lärmpegel deutlich zu. Pfeifen, Pauken und Trompeten wie bei Fussballspielen in Europa sind dagegen nicht erlaubt. Die Eingangskontrollen waren auch so rigoros, dass selbst das kleine Stöcklein von Marcos indischer Flagge konfisziert wurde. Dass im Treppenbereich dicke Bambus-Prügel herumstanden ist ja egal.

3 mal 2 Stunden... mal 5 Tage

Drei mal zwei Stunden dauert ein Spiel - nicht ganz der gleiche Spannungsbogen wie ein Fussballspiel, finde ich. Wir haben uns dann nach 2/3 von “unseren” Fans verabschiedet - naja, wir haben ja auch die richtige Mannschaft unterstützt! ;)

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