Beitrags-Archiv für die Kategory 'Kultur'

Die ersten Arbeitstage in Gurgaon

Dienstag, 13. April 2010 23:59

Vier Taxis holen uns (d.h. eine Gruppe von 12 Personen) jeweils am Morgen ab.
Dann geht’s los und schon nach wenigen Fahrminuten steckt man mitten im hektischen Morgenverkehr von Gurgaon, wo zerkratzte und verbeulte Maruti-Suzukis, glänzende BMWs, überladene Fahrrad- und Autorikschas, Motorradfahrer mit Frau im Damensitz, Traktoren, handwerklich zusammengebastelte Busse, Lieferwagen mit menschlicher Fracht und jede Menge Fussgänger in einem geordneten Chaos - mit viel Lärm - aufeinandertreffen.
Nach kurzer Zeit hat sich die ganze Etage an die europäischen Gäste gewöhnt und auch ich konnte schliesslich mit allen alten Bekannten (ehemalige “Landed Resources”) plaudern - oder Mittagessen. Viele Inder nehmen das Essen von zu Hause mit, je nach Familiensituation selbst gemacht, von der Mutter oder einem Servant.

Verpflegungsmöglichkeiten gibt es genug; in der günstigen Firmenkantine (Menüpreis 30 Rupien = 75 Rappen[!]), beim Chinesen, in einem traditionell indischen Restaurant (z.B. Pindh Baluchi) oder im Food Court auf der anderen Strassenseite bei Subway, McDonalds (in Asien gibt’s auch McDelivery) oder Papa John’s Pizza.
Ach ja, indisches Essen… meine Schätzung aufgrund meinen Erfahrungen von früher hat sich als ziemlich genau erwiesen: 50% personelle Ausfälle in der ersten Woche aufgrund… naja, überforderter Magen-Darm-Tätigkeit. Steffis Indienbefehl an mich (täglich 5 getrocknete Wachholderbeeren schlucken) scheint mich tatsächlich vor solchen Übeln zu behüten! :)
Ursprünglich hätte unsere Workshop-Gruppe einen eigenen Raum für sich gehabt, allerdings stellte sich der mangelhafte Wireless-Empfang als echtes Hindernis heraus, worauf wir an die Fensterfront umgezogen sind. Bescheiden überliess ich den anderen natürlich die guten Plätze und begnügte mich mit einem eher improvisierten Arbeitsplatz.

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Holi in Switzerland

Montag, 1. März 2010 23:59

Holi ist das indische Fest der Farben. Während Holi bewirft man sich gegenseitig mit Farbpulver, dem Golal. Unter anderem werden dadurch Unterschiede wie soziale Herkunft, Kaste und Hautfarbe aufgehoben oder zumindest für kurze Zeit versteckt.
Unsere indischen Projektmitarbeiter konnten auch viele von uns Europäern motivieren, am fröhlichen Farbenschmeissen teilzunehmen.
Holi in Switzerland

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Ein Tag in Darjeeling

Samstag, 2. Februar 2008 23:59

Die Panoramazimmer vom Hotel Cedar Inn haben sich leider nur wenig gelohnt, denn auch der Samstag Morgen glänzte nicht mit besonderer Weitsicht; also damit meine ich vor allem einen Blick auf die Himalaya-Bergketten. Kein Grund um auf einen Morgenspaziergang zu verzichten - die Sonne belohnte dies auch umgehend und beleuchtete geradezu malerisch das nahe Wäldchen und die St. Paul’s School.

Morgenstimmung, St. Paul's School

Bihm, unser FahrerWieder vor dem Hotel warteten wir kurz auf Bihm (keine Ahnung wie man das schreibt), unseren Fahrer für den heutigen Tag. Mit ihm fuhren wir dann los, zuerst eine Weile durch die Stadt. Auch wenn Darjeeling wie Kolkata zu Westbengalen gehört, trifft man hier auf ein ganz anderes Indien. Die Menschen sind grösstenteils nepalesischen Ursprungs (mongolische Gesichtszüge), was sich auch in Sprache, Schrift, Kultur, Religion, Mentalität und Politik äussert.

Eine steile Strasse führte uns zum Nipponzan Myohoji Temple (erbaut und bewohnt von japanischen Mönchen); in unmittelbarer Nähe befindet sich die Japanese Peace Pagoda (japanische Friedens-Pagode), wo die vier Avatare Buddha’s ausgestellt sind. Dort trafen wir zum ersten Mal auf Johann von IBM Dänemark, der für kurze Zeit ebenfalls in Kolkata arbeitete.

Peace Pagoda & Myohoji Tempel

Unser nächstes Ziel war der Ganga Maya Park. Die Strasse dorthin bot oft einen schönen Ausblick auf die Darjeeling Hügel und die steilen Teegärten. Der Park ist zwar schön anzusehen, trägt aber einen grossen “Touristen”-Stempel: künstliche Folklore, Pedalos auf einem künstlich angelegten See, Vogelgezwitscher aus (in Bäumen versteckten) Lautsprechern, Anprobieren von traditioneller Kleidung etc. In der Nähe befindet sich der Rock Garden mit den Chunnu Summer Falls; den haben wir aber nur von aussen betrachtet und machten uns bald wieder auf den Weg.

Ganga Maya Park

Mittagspause machten wir in der Stadt und probierten die Darjeeling-Spezialität: Momos. Mit Fleisch und/oder Gemüse gefüllte Teigtaschen, die gekocht oder frittiert hervorragend schmecken! Danach spazierten wir durch die Markstände und alle deckten sich mit warmen Sachen ein. Für den kommenden kalten Abend wollten wir schliesslich gut gerüstet sein - naja, und mein um den Hals gewickeltes Unterleibchen (Insider!) war auch nur ein Notbehelf.

Momos / Gut ausgemützte Europäer

Hervorragend ausgemützt (das Wort müsste in den Duden!) ging die Tour weiter. Den ersten Halt machten wir am Tenzing Rock (Tenzing Norgay war einer der beiden ersten Menschen auf dem Mount Everest), eine Felsformation, an der auch besagter Everest-Primus rumgekraxelt sein soll. Natürlich ein schönes Fotomotiv, allerdings wollten einige Hüter des Felsens 20 Mäuse alleine für’s Sicherheitsseil-Anfassen. Aber da ist man mittlerweile abgebrüht genug und so kamen wir ungeschoren davon zum Happy Valley Tea Garden.

Happy waren vor allem die Tee- und Souvenirverkäufer, die uns Teepäcklein und noch mehr Mützen andrehen wollten, und das - nach einem kurzen Spaziergang durch die Teefelder - auch mit gewissem Erfolg.

Letzte touristische Attraktion für heute war das Tibetan Refugee Self Help Centre. Als Asyl für tibetische Flüchtlinge gebaut, ist es heute mehr ein Alters- und Weisenheim mit Schule und buddhistischem Tempel, einer kleinen Ausstellung und einem Laden für tibetische Handwerkskunst. Hier haben wir auch Johann wieder angetroffen, der uns den Tipp gab, bei Sonnenaufgang auf den Tiger Hill zu fahren - die Chancen stünden gut, einen Achttaussender-Gipfel zu sehen. Okay, morgen also früh aufstehen!

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Indische Hochzeitszeremonie

Sonntag, 27. Januar 2008 23:59

Der 27. Januar 2008 war einer der “guten Tage” um zu heiraten, jedenfalls nach Ansicht indischer Astrologen. So kam es, dass an diesem Datum gleich drei meiner Arbeitskollegen heirateten. Da die indischen Hochzeitsfeierlichkeiten auf mehrere Tag verteilt sind, konnte ich auch bei allen einmal vorbeischauen. Üblicherweise kommen zur Ceremony eher die Freunde und Bekannte der Braut, zur sog. Reception diejenigen des Bräutigams, aber so strikt ist die Trennung auch nicht.

Wunderschöne Einladungskarten

Der Europäer und die indische BrautMein erster Hochzeitsbesuch war die Zeremonie von Atanu und Anamika. Das Haus war ein älteres Gebäude mitten im “Kuchen” von Kolkata, sehr einfach eingerichtet (mehr als ein paar Dutzend Plastikstühle stand den Gästen nicht zur Verfügung), nur drei Bereiche waren dekoriert: der Eingangsbereich, dort wo der Hauptteil der Zeremonie stattfinden sollte (der “Altar”) und die Ecke, in der die Braut stundenlang auf einem Stuhl auszuharren hat und für unzählige Fotos lächeln muss.

Das HochzeitspaarIm Prinzip übergeben die Eltern der Braut ihre Tocher der Famile des Mannes. Gastgeber ist die Familie der Braut und der Bräutigam trifft erst am Abend ein, somit ist das Paar zu Beginn noch getrennt und wird erst nach vielen Ritualen von einem Priester miteinander vereint (bei arrangierten Hochzeiten kann es durchaus sein, dass sie sich zum ersten Mal überhaupt begegnen - was aber heute weniger häufig vorkommt). Höhepunkte bilden das Austauschen von Blumenkränzen und diverse Handlungen um ein geweihtes Feuer herum. All dies dauert relativ lange, und so gingen die Gäste etappenweise essen (für alle zusammen wäre der Essensraum auch zu klein gewesen). Serviert wurde typisch bengalisches Essen (ohne Chicken wegen der Vogelgrippe), das man mit den Händen essen durfte/musste, da es kein Besteck dazu gab.

Die Hochzeit war sehr eindrücklich für mich, auch wenn ich nur wenig von den Bräuchen verstanden habe. Daher verzichte ich auf Erklärungsversuche und verweise auf’s WWW.

http://www.hinduism.co.za/marriage.htm
http://www.abenteuer-hochzeit.de/hb-indien.htm

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Wuppertal in Indien

Samstag, 19. Januar 2008 23:59

Kolkata soll die kulturelle Hochburg von Indien sein. Es mutet vielleicht seltsam an, dass wir uns mit “Bamboo Blues” eine Vorstellung vom Tanztheater Wuppertal angschaut haben. Wenn man sich aber über Pina Bausch informiert, von der das Stück stammt, fallen einem dann auch ihre Beziehungen zur indischen Kultur auf.

Die Verspätung des Fahrers hatte zur Folge, dass wir uns vor dem Eingang mit einer etwa 300 Meter langen Warteschlange konfrontiert sahen. Zu Tickets kam man irgendwie nur über Beziehungen, einen ticket counter gab es nicht. Zum Glück hatten wir einen Insider, ein Anruf genügte und wir wurden einfach so reingewunken.

Pina Bausch präsentiert 'Bamboo Blues'

Ich möchte mir nicht anmassen, hier den Kunstkritiker zu markieren, gerade wenn es so ziemlich mein erster Tanztheaterbesuch war. Ich habe auch nur die wenigsten Szenen verstanden (wenn überhaupt); Liebe, Zurückweisung, Schmerz und Glück waren zentrale Themen. Die restlichen Elemente musste man halt einfach auf sich wirken lassen, dann konnte man nach zwei Stunden aber einen ehrlichen Applaus spendieren.

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(Kein) Om Shanti Om

Sonntag, 18. November 2007 23:59

Om Shanti OmGerne hätten wir wieder mal einen indischen Film im Kino gesehen. Und hätte auch gepasst, denn der neue Film mit dem Superstar von Bollywood, Shah Rukh Khan (SRK), ist vor kurzem in den Kinos angelaufen und wurde uns von den indischen Kollegen wärmstens empfohlen (wobei das noch lange nicht heisst, dass sie ihn gesehen hätten…).Unsere Pläne wurden dieses Wochenende jedoch zu nichte gemacht, weil der Streifen schon Tage zuvor für restlos ausverkaufte Kinosäle gesorgt hatte. Vielleicht später einmal… oder auf DVD - mit ganz viel Glück sogar mit englischen Untertiteln.

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Windows-TV

Samstag, 10. November 2007 23:59

Die Empfangsqualität von einigen guten TV-Sendern hat sich etwas verbessert, und so konnte ich über’s verlängerte Wochenende einige gute Filme auf englisch gucken. Zum Staunen gebracht hat mich allerdings das “Programm” auf einem indischen Sender. Fehlermeldungen sind ja was Alltägliches in der Windows-Welt. Aber bei einem (funktionierenden) Fernsehgerät? Ein Sender schien Probleme gehabt zu haben: das Einzige, was übetragen worden ist, war eine Windows-Fehlermeldung. :D

Windows-TVWindows-TV

Flimmerbedingt konnte ich den Fehlertext übrigens nicht so recht lesen (irgendwas mit “Unexpected error”) - aber hilfreich wäre der eh nicht gewesen.

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Diwali - Fest der Lichter

Freitag, 9. November 2007 23:59

Am Donnerstag herrschte schon früh Hochbetrieb im Büro - für einmal aber nicht vor den Rechnern. sondern mehr am Boden, an der Decke und in den Gängen. Man glaubte sich fast im Stockwerk geirrt zu haben, so prachtvoll war das Büro geschmückt. Girlanden, blinkelnde Lichterketten, am Boden Bilder aus Blütenblätter… das ist Diwali, das Fest der Lichter. Aber schaut selbst:

Bodenbild aus Blütenblättern

Diwali-Dekoration

Ganz grob könnte man Diwali als Mischung zwischen Weihnachten und Silvester beschreiben - und doch ist es ziemlich anders. Wunderschöne Strassen- und Häuserbeleuchtungen - gemischt mit viel Feuerwerk, denn “festival of crackers” trifft für dieses 4-tägige Fest ebenfalls zu. Erstaunt hat mich, dass auf öffentlichen Plätzen, wo vor kaum 2 Wochen noch die Pandale (diese Tempelnachbauten aus Holz und Tüchern) von Durga Puja gestanden hatten, schon wieder neue Pandale aufgebaut worden sind. Für die heitere Geselligkeit sorgten Bands auf Bühnen - und wie schon erwähnt das gemeinsame Abfeuern von Feuerwerks-Artikeln.

Diwali-Beleuchtung und -Pandal

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Braune Käfer und grüne Männchen

Mittwoch, 31. Oktober 2007 23:59

KakerlakeDas Wort “Käfer” steht nicht zum ersten Mal in diesem Blog - im Zusammenhang mit unseren krabbelnden Untermieter (ich glaub’ es sind Kakerlaken) aber hoffentlich zum letzten Mal. Die Käfer(p)lage war… nun ja, es ging so weit, dass sie sich sogar in Laptop-Taschen verkrochen hatten und im Büro wieder zum Vorschein kamen. Wäre eigentlich auch eine Möglichkeit gewesen, die Insekten loszuwerden… . ;)

Am Donnerstag kam während unserer Abwesenheit ein “Pest Control Team” um den Sechsbeinern den Gar auszumachen. Vielleicht muss ich präzisieren, dass dieses “Team” aus einem Typen bestand, der mit irgendeinem Kampfgas bewaffnet gewesen war, dessen Geruch auch uns Zweibeiner noch zehn Stunden später beinahe umkippen liess. Zum Glück doch nicht ganz, und für’s erste sind wir sie wohl los.

Stattdessen kamen die grünen Männchen nach Kolkata, jedenfalls berichteten Zeitungen, dass ein UFO über unseren Dächern gesichtet worden sei. Ein Kolumnist stellte sich seine Begegnung mit einem Alien vor: wenn es eine hübsche Ausserirdische wäre, würde er sie zum Tee einladen - und sonst eine Suppe draus machen.

UFO über Kolkata?

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Streik in Kolkata

Mittwoch, 31. Oktober 2007 23:59

Steinwurf-LadyFür Dienstag und Mittwoch haben Oppositions-Gruppierungen grössere Streiks angekündigt, am Mittwoch soll versucht werden, Kolkata lahm zu legen. Kein öffentlicher Verker, Strassenblockaden, Androhung von Gewalt… was einem halt so einfällt, um die Leute von der Arbeit fernzuhalten. Man kann diesen Gruppierungen anrechnen, dass existenzielle Einrichtungen wie z.B. Krankenhäuser davon nicht in Mitleidenschaft gezogen werden sollten.

Natürlich gab es bei unserer Firma einen Plan: die Leute sollen vor Streikbeginn (6 Uhr morgens) zur Arbeit erscheinen und erst nach Streikende (6 Uhr abends) nach Hause gehen. Busse seien organisiert. Home office sei auch eine Variante; für die habe ich mich dann auch entschieden. Um 9 Uhr habe ich mal per Messenger geguckt, wer denn schon alles von meinem Team bei der Arbeit ist: ich war der Einzige! Hat sich auch erst um etwa 10 Uhr geändert, es war also alles wie gehabt und gewohnt. Wir haben aus der Zeitung erfahren, dass die IT-Industrie auch als “existenzielle Einrichtung” angesehen wurde und somit ganz Salt Lake City nicht Ziel der Aktivisten war. Die ganzen Streikaktionen wurden im Nachhinein von der Presse kritisch kommentiert, und eine Frau, die beim Steine Werfen fotografiert worden war, wurde kurzerhand zur Fahndung ausgeschrieben.

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