Samstag, 21. Juli 2007 23:59
Christian, Marco, Fabian und ich standen heute Samstag früh auf: um halb sieben assen wir Frühstück, um sieben Uhr verliessen wir unser Appartement und fuhren mit dem Taxi in die Stadt zur Busstation. Unser Ziel war Digha, ein Feriendorf am Meer mit einem schönen Strand. Digha liegt etwa 190km südwestlich von Kolkata entfent; wir hatten uns entschieden, mit dem Bus dorthin zu fahren (laut Reiseführer eine Fahrt von etwa 5 Stunden). Wir hatten das Taxi noch nicht mal bezahlt, da hat uns schon ein Typ mit “Digha? Come! Bus!” abgefangen. Naja, da wir eh genau das wollten, liessen wir uns in den Bus drängen, obwohl die Fahrt erst in einer Stunde beginnen würde. War auch günstig: 20 Minuten Taxifahrt kostete 150 Rupien (CHF 5.-), während 190 Kilometer per Bus nur 80 Rupien (~CHF 3.-) pro Person kosten.

Die Fahrt war ziemlich anstrengend: die Knie an den Vordersitz gedrückt, Rucksack auf dem Schoss (und beinahe noch zusätzlich ein Inder), und wenn man Pech hatte, musste man arg den Kopf einziehen, um ihn nicht an der Gepäckablage anzustossen (vor allem, wenn der Bus wieder mal in ein Loch oder über eine Schikane holperte). Klimaanlage gab’s nicht, und immer wenn der Bus wieder einen Halt machte um noch mehr Passagiere und Süssigkeiten-Verkäufer reinzulassen, machte sich das feucht-heisse Klima wieder bemerkbar.
Die Landschaft südwestlich von Kolkata präsentiert sich etwa gleich wie beim letzten Ausflug nach Sunderban (naja, aber was sind auch schon 200km? Nichts!) - flach, sumpfig, “tropisch”, viele Reisfelder und kleine Dörfer. Aufgefallen sind mir die vielen roten Hammer-und-Sichel-Fahnen der Kommunisten (Westbengalen hat eine [demokratisch gewählte] kommunistische Regierung). Und wenn wir schon bei Symbolen sind: die Swastika, das Hakenkreuz, ist in Indien ebenfalls weit verbreitet - natürlich nicht mit der nationalsozialistischen Bedeutung, sondern mit der als Glücksbringer.
In Digha angekommen suchten wir uns zuerst eine Bleibe für die Nacht. Obwohl die Monsunzeit nicht die Topsaison ist für Strandferien konnten wir erst im dritten Hotel (”Seahawk”) die beiden letzten Zimmer mit Klimaanlage schnappen. Und dies auch nur mit Mühe: der Hotelmanager wollte uns die Zimmer zuerst nicht geben, da niemand von uns den Pass mitgenommen hatte. Er willigte schliesslich doch ein, da wir die Passangaben auswendig konnten. Okay, ehrlich gesagt haben wir teilweise etwas geraten… . Der Manager murmelte noch etwas von “Scotland Yard will check!”, aber das haben wir nicht so ernst genommen.
Jedenfalls haben wir gelernt, dass man Kopien vom Pass mitnehmen sollte wenn ein Hotelaufenthalt ansteht.
Für das Mittag-/Abendessen gingen wir in das Restaurant, das in einem Reiseführer hervorgehoben wurde. Es hat uns geschmeckt, aber speziell war’s irgendwie schon: auf einem der hinteren Tische hat einer gepennt, einige Speisezutaten und die Getränke hat ein Junge irgendwo auf der anderen Strassenseite eingekauft.
Die erste Strandbesichtigung in Digha hat uns etwas enttäuscht, da wir statt Sandstrand nur ein Beton-Ufer vorgefunden haben. Daher strampelte uns bald ein Velorikscha-Fahrer ein paar Kilometer weiter nach New Digha, wo wir dann über den Sandstrand den Wellen des Indischen Ozeans engegenspazieren konnten.
Digha und New Digha sind Touristendörfer, der Grossteil der Besucher kommt aus Kolkata. Hm, als Europäer fällt man schon in der Stadt auf, in Digha aber waren wir wohl DIE Attraktion! Immer wieder haben sich Grüppchen um uns versammelt um mit uns zu laufen und zu reden. Ich kam mir zwar manchmal vor, als sei ich von einem anderen Planeten, aber die Leute waren alle nett und wir haben uns gut amüsiert.

Mit dem Sonnenuntergang sind wir zu Fuss den Wellen entlang nach Digha zurückspaziert. Vor einigen Stunden wirkte die Strandpromenade ziemlich leer, jetzt aber haben die Leute die Siesta abgeschlossen und jetzt war auch wirklich etwas los. Nach einigem Herumfragen und Suchen haben wir den staatlichen Alkoholshop gefunden und einige “King Cobra Strong” mitgehen lassen; auf einem Stein am Strand machten wir es uns dann bequem. Die vielen Verkäufer schickten wir zuerst alle weg, als das Bier aber zur Neige ging, fragten wir mal einen, ob er uns einen Whisky organisieren könnte. Bald kamen auch seine Kollegen und wir hatten’s ganz lustig zusammen.
Wir offerierten die Whiskyflaschen, sie etwas Tabak. Ja, so schlecht funktioniert das gar nicht mit unserem “Socializing”, auch wenn wir erst eine Hand voll Wörter auf Hindi können und die Landbevölkerung eigentlich nur Bengalisch oder… äh, noch eine andere Sprache spricht.
