Donnerstag, 30. August 2007 23:59
Heute möchte ich eine Geschichte erzählen - von einem Elefanten, der um die halbe Welt gereist ist:
30. Juli 2007
Ein junges Bleichgesicht namens Gerry B. lässt sich unvorsichtigerweise alleine in ein Souveniergeschäft im New Market komplimentieren (”Only looking, Sir!”). Stolz darauf, ein hübsches Metall-Elefäntchen auf fast die Hälfte heruntergehandelt zu haben (INR 500.- = CHF 16.-), verlässt er nach einer Stunde zufrieden das Geschäft. Dass er sich neben dem Elefäntchen noch diversen anderen, teuren Plunder hat andrehen lassen, das verdirbt seine gute Laune nicht.
31. Juli 2007
Gerry erfährt von indischen Kollegen, dass er vermutlich immer noch das 10fache des eigentlichen Wertes bezahlt hatte… .
11. August 2007
Das Elefäntchen soll als Geschenk in die Schweiz geschickt werden. Eine Schachtel für ein Postpaket liess sich bisher noch nicht auftreiben. Immerhin führt eine Papeterie gepolsterte Couverts.
20. August 2007, 09:56 Uhr
Gerry sucht das IBM-Postbüro auf. Das ausgebeulte Couvert wird mit kritischen Blicken eingedeckt - ebenso der Absender, als dieser was von einem Elefanten zu erklären versucht. Nun denn! Das Couvert wird schliesslich angenommen, vorher wird es noch gewogen und ein erstes Formular ausgefüllt. Den Wert deklariert Gerry auf 500 Rupien, unter Inhalt schreibt er “metal elephant” auf den Wisch. Den Rest soll DHL machen.
20. August 2007, 14:36 Uhr
IBM Postbüro: “Sir, wegen dem Metall-Elefanten, könnten Sie bitte mal runterkommen?” Unten füllt Gerry drei identische Formulare aus - das gleiche wie er schon beim ersten Besuch vervollständigt hatte. Bezahlen kann er auch gleich: 2070 Rupien (~CHF 70.-) legt er in cash auf den Tisch. Immerhin: garantierte Lieferung noch diese Woche!
20. August 2007, 17:06 Uhr
Während der Einführungspräsentation in das dänische Projekt klingelt ständig Gerry’s Handy (IBM Postbüro). Er könne ruhig abnehmen, das sei schon ok! Allerdings kommt sich der Schweizer ein bisschen komisch vor, von einem Metall-Elefanten zu sprechen… . DHL wollte die Sendung nicht annehmen, aber morgen soll der UPS-Kurier vorbeikommen.
21. August 2007, 10:47 Uhr
IBM Postbüro: “Sir, wegen dem Metall-Elefanten, der UPS-Kurier möchte mit Ihnen sprechen.”
21. August 2007, 10:50 Uhr
UPS-Kurier: “Sir, what is this?!?” - “Ähm… so wie’s hier steht: a metal elephant… a souvenier… a present!” - “Is it a toy?” - “Ja! Ein Spielzeug!” - “Ok, Sir, ich brauche eine Ausweiskopie mit Foto und Namen.” - “Hab ich gerade nicht dabei… ich geh was kopieren!” - “Ja, bitte, aber ich bin nur noch ein paar Minuten hier… .”
Gerry eilt in den zweiten Stock in einen Arbeitsraum mit Kopiergerät. Hm… rote, blinkende Lämpchen verheissen meist nichts Gutes; natürlich funktioniert der Kopierer nicht. Ok, also mal im Arbeitsraum im Ostflügel versuchen. Bei dem ist das Papier alle. Woher nehmen und nicht stehlen? Ja gut, äh… erster Gedanke: vom Faxgerät! Als hätten sie es geahnt: “Please do not remove paper from fax” stand auf einem Schild darüber.
Juhuu! In einem Kasten liegen noch etwa zwei Dutzend Blätter. Das reicht! Und auch den UPS-Boten erreicht Gerry noch und gibt ihm schnaufend eine Ausweiskopie. Gute Reise, Elefäntchen!
22. August 07 - 29. August 07
Die Fortsetzung der Geschichte soll das Tracking-Tool von UPS erzählen… . Was das Elefäntchen wohl in Amerika gemacht hat???
