Beiträge vom August, 2007

Konsolen und Titanic-Aufzüge

Freitag, 31. August 2007 23:59

Leider ist die tägliche Arbeit an unserer Applikation etwas umständlich. Bei jeder kleinen Änderung am Programmcode muss die komplette Applikation neu kompiliert und der lokale Server neu gestartet werden. Um dann die Änderungen zu überprüfen, muss man sich einloggen, wobei eine Verbindung zu einem Server in Dänemark hergestellt werden muss - und diese Leitung scheint nicht die schnellste zu sein. Da geht viel Zeit verloren.

Konsolen
So sieht oft mein Bildschirm aus…

Leider tragen die Lifte im DLF-Gebäude auch nicht gerade zur Motivationssteigerung bei. Sprechende Lifte finde ich eine schlechte Erfindung, die die Welt nicht braucht (”Please, allow the door to close!”, “Third floor - the temperature now is: 24.5 degrees Celsius.”). Und die Idee, Titanic-Musik während der Fahrt abspielen zu lassen, ist ebenfalls etwas fragwürdig… .

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Ein Elefant geht auf Reisen

Donnerstag, 30. August 2007 23:59

Heute möchte ich eine Geschichte erzählen - von einem Elefanten, der um die halbe Welt gereist ist:

30. Juli 2007
Ein junges Bleichgesicht namens Gerry B. lässt sich unvorsichtigerweise alleine in ein Souveniergeschäft im New Market komplimentieren (”Only looking, Sir!”). Stolz darauf, ein hübsches Metall-Elefäntchen auf fast die Hälfte heruntergehandelt zu haben (INR 500.- = CHF 16.-), verlässt er nach einer Stunde zufrieden das Geschäft. Dass er sich neben dem Elefäntchen noch diversen anderen, teuren Plunder hat andrehen lassen, das verdirbt seine gute Laune nicht.

31. Juli 2007
Gerry erfährt von indischen Kollegen, dass er vermutlich immer noch das 10fache des eigentlichen Wertes bezahlt hatte… .

11. August 2007
Das Elefäntchen soll als Geschenk in die Schweiz geschickt werden. Eine Schachtel für ein Postpaket liess sich bisher noch nicht auftreiben. Immerhin führt eine Papeterie gepolsterte Couverts.

20. August 2007, 09:56 Uhr
Gerry sucht das IBM-Postbüro auf. Das ausgebeulte Couvert wird mit kritischen Blicken eingedeckt - ebenso der Absender, als dieser was von einem Elefanten zu erklären versucht. Nun denn! Das Couvert wird schliesslich angenommen, vorher wird es noch gewogen und ein erstes Formular ausgefüllt. Den Wert deklariert Gerry auf 500 Rupien, unter Inhalt schreibt er “metal elephant” auf den Wisch. Den Rest soll DHL machen.

20. August 2007, 14:36 Uhr
IBM Postbüro: “Sir, wegen dem Metall-Elefanten, könnten Sie bitte mal runterkommen?” Unten füllt Gerry drei identische Formulare aus - das gleiche wie er schon beim ersten Besuch vervollständigt hatte. Bezahlen kann er auch gleich: 2070 Rupien (~CHF 70.-) legt er in cash auf den Tisch. Immerhin: garantierte Lieferung noch diese Woche!

20. August 2007, 17:06 Uhr
Während der Einführungspräsentation in das dänische Projekt klingelt ständig Gerry’s Handy (IBM Postbüro). Er könne ruhig abnehmen, das sei schon ok! Allerdings kommt sich der Schweizer ein bisschen komisch vor, von einem Metall-Elefanten zu sprechen… . DHL wollte die Sendung nicht annehmen, aber morgen soll der UPS-Kurier vorbeikommen.

21. August 2007, 10:47 Uhr
IBM Postbüro: “Sir, wegen dem Metall-Elefanten, der UPS-Kurier möchte mit Ihnen sprechen.”

21. August 2007, 10:50 Uhr
UPS-Kurier: “Sir, what is this?!?” - “Ähm… so wie’s hier steht: a metal elephant… a souvenier… a present!” - “Is it a toy?” - “Ja! Ein Spielzeug!” - “Ok, Sir, ich brauche eine Ausweiskopie mit Foto und Namen.” - “Hab ich gerade nicht dabei… ich geh was kopieren!” - “Ja, bitte, aber ich bin nur noch ein paar Minuten hier… .”
Gerry eilt in den zweiten Stock in einen Arbeitsraum mit Kopiergerät. Hm… rote, blinkende Lämpchen verheissen meist nichts Gutes; natürlich funktioniert der Kopierer nicht. Ok, also mal im Arbeitsraum im Ostflügel versuchen. Bei dem ist das Papier alle. Woher nehmen und nicht stehlen? Ja gut, äh… erster Gedanke: vom Faxgerät! Als hätten sie es geahnt: “Please do not remove paper from fax” stand auf einem Schild darüber.
Juhuu! In einem Kasten liegen noch etwa zwei Dutzend Blätter. Das reicht! Und auch den UPS-Boten erreicht Gerry noch und gibt ihm schnaufend eine Ausweiskopie. Gute Reise, Elefäntchen!

22. August 07 - 29. August 07
Die Fortsetzung der Geschichte soll das Tracking-Tool von UPS erzählen… . Was das Elefäntchen wohl in Amerika gemacht hat???

Ein Elefant auf Reisen...

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Ich: ein verheirateter Nepalese?

Mittwoch, 29. August 2007 23:59

Ein Formular der indischen HR-Abteilung!Heute hat mich die indische HR-Abteilung zum Schmunzeln gebracht! Damit wir unsere Arbeitszeit auf “indische” Projekte rapportieren können, benötigen wir eine ID von IBM India. Nun haben die uns ein Formular per Mail geschickt - und was für eines!

Den Departement-Code wollen sie wissen? Ja, den hätte ich auch mal gerne erfahren - von der HR-Abteilung! Bei der Nationalität konnte man gerade mal zwischen etwa zehn Staaten auswählen. Da unter diesen die Schweiz nicht aufgeführt worden war, hab ich mal Nepal angeklickt, und rechts daneben noch “Switzerland” notiert. Beim Zivilstand sollte man vermutlich die Wahl zwischen “ledig” und “verheiratet” haben. Ich nehme an, sie wollten es uns einfach machen, denn etwas anderes als das bereits markierte Feld “Married” stand nicht zur Verfügung. ;)

Dass einmal mehr nach dem Namen des Vaters gefragt wurde, überraschte mich nicht. Dagegen macht mir etwas anderes fast ein bisschen Angst: wozu, um Himmels Willen, müssen wir für die Stundenrapportierung unsere Blutgruppe und unsere Kreditkarten-Nummer angeben?!? Also, das ist doch… !!!

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Hesch dini Ovi hüt scho gha?

Mittwoch, 29. August 2007 9:00

Kolkata wird immer europäischer! Neu bei uns - wenn auch nur für kurze Zeit - ist Ralf aus Deutschland, ein Freund von Marco. Und er hat kleine Stückchen Heimat mitgebracht: Rinds-Würstchen, Käse, “richtiges” Brot, Toggenburger-Guetzli, Ricola-Kräuterbonbons und noch vieles mehr. Für mich das Schönste: Ovomaltine! :)

Toggenburger-Guetzli Ovomaltine

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Terror in Indien

Montag, 27. August 2007 23:59

Terror in IndienAm letzten Samstag wurde Hyderabad von einem schweren Terroranschlag getroffen, dem über 40 Menschen zum Opfer fielen. :(

Die Presse hat dazu auch Zahlen gefunden, welche Indien an die Spitze einer Terrorstatistik befördern. Und schon ist Indien ebenso gefährlich wie der Irak… . So stimmt das natürlich auch nicht! Macht euch also deswegen keine Sorgen um mich!

Themawechsel: Montag Abend hat’s mit den Calcutta-Cabs wieder mal gar nicht geklappt. Der versprochene Fahrer ist nicht erschienen, und meinen dritten und vierten Anruf an die Zentrale haben sie gar nicht mehr entgegengenommen. Ein normales Taxi aufzutreiben ist gar nicht so einfach zur abendlichen rush hour. Ich hatte Glück und erwischte ein weisses Taxi; die fahren im Gegensatz zu den normalen gelben Autos eine fixe Strecke und sammeln die Leute unterwegs ein. Natürlich mehr als in Europa zugelassen wären: vorne der Fahrer und zwei Passagiere, hinten vier Personen. Naja… durchschnittlich sind die Inder ja etwas kleiner als wir Mitteleuropäer… . ;)

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Das letzte Wochenende im DL-5

Sonntag, 26. August 2007 18:00

Den ruhigen Sonntag verbrachte ich vorwiegend mit Papierkram. Für so’n doofes Steuerformular musste ich ein Passfoto auf 2.5×3.5 cm zurechtschnippseln, und das Geld für die Wohnungsmiete wollte ich auch mal zurückfordern. Denn für den Betrag, den wir bezahlen, könnte man sich selbst in der Schweiz eine wirklich luxuriöse Wohnung leisten!

DL-5 FlimmerkistenNun, es war der letzte Sonntag im DL-5, denn am nächsten Wochenende werden wir ins BJ-7 umziehen. Nicht dass es dort viel besser oder günstiger wäre, aber immerhin können wir uns so zu dritt das ganze Appartement leisten.

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Dakshineswar-Tempel

Samstag, 25. August 2007 23:59

Heute begaben wir uns wieder mal auf kulturelle Pfade. Wir fragten einen unserer Property-Aasgeier, ob wir “Indiana Sam” mit auf eine Tour zu einem Tempel nehmen können. Ich glaube, Sam war ganz froh, uns begleiten zu können. Wir machten uns auf zum Dakshineswar-Tempel in Kolkata, welcher Kali gewidmet ist. Vor dem Tempel herrschte Hochbetrieb: Pilger, Gläubige, (pissende) Hunde, Kühe, Bettler und Wachtleute, welche die Bettelkinder mit dem Stock vertrieben. Schuhe und Socken deponierten wir brav vor dem Eingang. Fotoapparat und Mobiltelefone waren verboten - wir durften sie allerdings mit reinnehmen, mit der strengen Ermahnung der Eingangskontrolle, keine Fotos zu machen.

Der Tempel selbst ist von einem grossen Aussenhof umgeben, dessen Boden leider nicht überall gleich sauber ist und man barfuss gerne den von Vogelsch… weissen Stellen auswich. Aber ich muss fair sein: architektonisch ist die Tempelanlage wirklich schön. So schön, dass wir schon gerne Fotos machen wollten, und da unser Inder uns auch noch dazu ermunterte, hatten wir auch nicht mehr so ein schlechtes Gewissen dabei.

Dakshineswar Tempel

Das schlechte Gewissen kam später, aber nur indirekt wegen den Fotos: irgendso ein Tempelhüter hat uns trotz aller spionreifen Tarn- und Ablenkmanöver ertappt. Zuerst hat er uns (bzw. Sam auf bengalisch) getadelt, als er jedoch hörte, dass wir um die halbe Welt gereist sind, nur um diesen Tempel zu sehen (Räusper!), lud er uns ein, auch das Tempelinnere zu betrachten. An der laaaangen Warteschlange lotste er uns ziemlich rücksichtslos vorbei. Ja, und eben da kamen wir uns etwas komisch vor. Die braven Hindus warten stundenlang in der Schlange, und die frechen Weissen, die ihre Religion nicht mal verstehen, drängeln sich einfach zuvorderst rein. Bloss schnell weg!

Bally Bridge

Wieder mit angezogenen Schuhen setzten wir uns in ein Boot (so eine richtige Nussschale) und fuhren auf dem Hoogly River unter der Bally Bridge durch und legten bei Belur Math an. Wiederum barfuss verfolgten wir eine Zeit lang eine Zeremonie des Ramakrishna-Ordens, allerdings ohne viel davon zu verstehen, leider.

Restaurant Zurich

Kultur gibt auch Hunger, und so machten wir uns in der City auf die Suche nach einem guten Restaurant. Zugegeben, wir waren recht wählerisch: zu teuer, keine AC, ausschliesslich indische Speisen… wir fanden immer was zu nörgeln. Sogar das “Zurich” verschmähten wir. Schliesslich blieben wir in einem ziemlich günstigen Restaurant, das fast ausschliesslich von Europäern besetzt war. Leider war der Service ECHT miserabel.

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Indisches Allerlei

Freitag, 24. August 2007 23:59

Wieviele Personen passen auf ein Motorrad?Diese Woche musste man bei den Zeitungen auf das Datum gucken, denn eigentlich stand jeden Tag etwa das gleiche drin. Hauptthemen waren der “Nuclear Deal” zwischen Indien und USA, und die “Killer buses”, die rasenden Buse von Kolkata, welche immer wieder Todesopfer fordern. Zwischendurch wird auch über das iPhone berichtet, auf das die Inder noch etwa zwei Jahre warten müssen, über das indische Cricket-Team und Roger Federer. Den Schweizer sieht man übrigens auch in Gillette-Werbesports im TV.

Bollywood im KnastZeitungslesend lernt man auch etwas über das indische Rechtssystem, das für unsere Massstäbe recht streng ist und das auch für Bollywood-Stars keine Ausnahmen macht. Nachdem Wochenlang über die 6-Jahre-Haftstrafe von Sanjay Dutt (wegen illegalem Waffenbesitz) und seinen Gefängnisalltag berichtet wurde, hat’s nun auch Salman Khan erwischt: 5 Jahre Knast wegen illegaler Gazellenjagd. Zumindest der indische “King” (nicht Elvis!), Shah Rukh Khan - oder SRK - ist bisher noch verschont geblieben und schafft’s mit seinem aktuellen Hit “Chak de! India” in positiverem Zusammenhang auf die Titelseiten.

Chak de! SRK

Interessant sind auch die Kontaktanzeigen in den Sonntagsausgaben. Ganz verschwunden ist das “abgeschaffene” Kastensystem nicht, jedenfalls sind die Inserate neben Geschlecht, Zweck und Sprache auch nach Religion und Kaste gegliedert. Gesucht werden übrigens religiöse Ingenieure, die bald nach Europa oder Amerika auswandern.

Und schliesslich: so tabu, wie Sexszenen in Bollywood-Filmen sind, so gerne schreibt die indische Presse darüber. Indien, das Land des Kamasutra… . Wichtig: bevor man “es” macht: unbedingt den Astrologen kontaktieren! ;)

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Krankenversicherung zum Ausschneiden

Donnerstag, 23. August 2007 23:59

CIGNAEine Krankenversicherung ist eine gute Sache - gerade wenn Sie auch Unfälle im Ausland abdeckt. Eigentlich sollten wir schon zu Beginn unseres Assignments eine Versicherungskarte von der CIGNA erhalten haben, die wir dann z.B. bei einem Spitalaufenthalt (was bei uns schon vorgekommen ist) vorweisen könnten. Um dann eine vernünftige Behandlung zu bekommen, ohne zuerst Tausende von Franken an das Spital überweisen zu müssen. Wir warteten und warteten - und reklamierten - und warteten… . Jetzt haben wir sie gekriegt - in digitaler Form, zum Ausdrucken und selber Ausschneiden!

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Ghiinng… fiiih… shäääh?

Mittwoch, 22. August 2007 23:59

Die Arbeitszeiten sind hier etwas anders. Offiziell wäre eigentlich 9 - 18 Uhr Arbeitszeit, neun Stunden Arbeit pro Tag inkl. eine halbe Stunde Mittagspause. In meinem Team bin ich meistens einer der ersten, wenn ich etwas vor 10 Uhr starte. Viele kommen erst etwa um 11 Uhr und bleiben dann halt entsprechend länger im Büro. Hat auch damit zu tun, dass sich die meisten indischen Projekte nach Europa und Amerika (Zeitverschiebung!) ausrichten.

Kingfisher StrongNach einem langen Tag (7:30 Uhr Hindi-Unterricht, Arbeit bis 19:30) wollten wir auswärts Abendessen gehen. Im “BB’s” war wieder mal Verständigungsmarathon angesagt: der Portier öffnete und schloss die Türflügel etwa drei mal. Es hörte sich dann etwa so an: “Is it open?” - “Open! Hehe!” - “Ähh… closed???” - “Closed! Hehe!” - “Open or closed?!?” - “Open, Sir! Hehe! Good evening, Sir!” Bei der Bestellung hat der Kellner dann irgendwie nicht so recht verstehen wollen, dass ich zum Lammfleisch noch Beilagen haben möchte. Und als ich noch “One Kingfisher, please!” bestellte, hat mich der arme mit vielen Fragezeichen über dem Kopf angesehen und langsam wiederholt: “Ghiinng… fiiih… shäääh???” - “Yes, Kingfisher… the beer!” - “Biiiiiiihr???” - “Yes, beer… to drink!” - “Aaah… sorry, Sir, no beer!” Es gibt Situationen, da hilft einem auch Hindi und Bengali nicht weiter.

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