Beiträge vom November, 2007

Cricket: Indien vs. Pakistan

Freitag, 30. November 2007 23:59

Wenn man schon für eine längere Zeit in Indien ist, sollte man doch auch ein Cricketspiel gesehen haben. Der Nationalsport ist eigentlich Hockey, aber Cricket ist viel populärer, gefolgt von Fussball (zumindest in Westbengalen). Die Geschichte um das Hin- und her mit Tickets ist etwas lang, dazu möchte ich bloss einige Stichworte wiedergeben: Schwarzmarkt, kein Vorverkauf, Ticketschalter die wie Pissoirs aussehen, Attentatsdrohungen, rieses Polizeiaufgebot, leere Ränge an den ersten zwei Spieltagen,… .

Tickethäuser - kein Pissoirs!!!

Ticket: Indien vs. PakistanNun gut, schlussendlich hatten wir fünf Tickets für das dritte Testspiel Indien gegen Pakistan in den Händen - im Eden Gardens Stadium in Kolkata. Test Cricket ist übrigens nicht vergleichbar mit einem Testspiel im Fussball, sondern ist ein Duell zwischen zwei Mannschaften über fünf Tage. Ach, wenn ich schon beim erklären bin, das Regelwerk bei diesem Sport ist recht umfangreich und es dauert etwas, bis man zumindest das Wichtigste verstanden hat. Wir haben uns vorab bei diesem Wikipedia-Artikel über Cricket etwas schlau gemacht.

Nach mehreren Sicherheitskontrollen konnten wir dann auch unsere Plätze beziehen. Das Stadion war erfreulicherweise recht gut gefüllt (Kapazität: 120′000) aber doch nicht so randvoll, so dass wir der blendenden Sonne ausweichen und im Schatten Platz nehmen konnten.

Cricket - Gerry @ Eden Gardens

Die Stimmung war gut, “La Ola” ist auch bei Cricket wohlbekannt, und wenn der “Lokalheld” von Kolkata den Zuschauerrängen entgegenstolzierte nahm der Lärmpegel deutlich zu. Pfeifen, Pauken und Trompeten wie bei Fussballspielen in Europa sind dagegen nicht erlaubt. Die Eingangskontrollen waren auch so rigoros, dass selbst das kleine Stöcklein von Marcos indischer Flagge konfisziert wurde. Dass im Treppenbereich dicke Bambus-Prügel herumstanden ist ja egal.

3 mal 2 Stunden... mal 5 Tage

Drei mal zwei Stunden dauert ein Spiel - nicht ganz der gleiche Spannungsbogen wie ein Fussballspiel, finde ich. Wir haben uns dann nach 2/3 von “unseren” Fans verabschiedet - naja, wir haben ja auch die richtige Mannschaft unterstützt! ;)

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Im Frühtau zu Berge…

Mittwoch, 28. November 2007 23:59

Christian und ich sind jetzt “Frühaufsteher”, was heisst, dass wir so viertel nach acht von BJ-7 lostuckern. Ist auch vom Verkehr her praktisch, denn die sonst sehr verkehrsreichen Strassen sind zu dieser frühen Stunde noch ziemlich leer. So auch die Büros, oft bin ich der erste vom ganzen achten Stockwerk.

Wir haben eine Theorie, wonach eine höhere Macht uns Assignees genaustens beobachtet und bei jedem kleinen Vergehen auf ein Bestrafungs-Knöpfchen drückt. Zu laut gelacht? Biip - fliessend Wasser abgestellt! Illegale Software installiert? Biip - Fahrer abberufen! Zu lange gechattet? Biip - Kakerlaken los!

Stockwerke 1 - 8Irgendwas muss ich also angestellt haben, denn am Mittwoch Morgen funktionierten von acht Liften genau… keiner! So musste ich also schwindelnde Höhen zu Fuss erklimmen. Etwas verdächtig kam mir vor, dass die nächste Person, die in meinem Stockwerk zur Arbeit erschienen war, den Lift benutzt hatte als sei nichts gewesen.

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Anarchie und Armee in Kolkata

Mittwoch, 21. November 2007 23:59

Mittwoch, 21. November 2007: Ein schwarzer Tag für die “City of Joy”:

Armee in Kolkata

Der andauernde Unmut über die Nandigram-Krise sowie über die Visumsverlängerung einer “islamfeindlichen” Schriftstellerin haben zu schweren Unruhen in der Innenstadt geführt. Protestmärsche, Gewaltakte und brennende Autos überforderte die hiesige Polizei, so dass am Nachmittag gar Einheiten der indischen Armee in die Unruhegebiete einberufen wurden.
Gut, dass Salt Lake etwas ausserhalb liegt und von den Unruhen nicht betroffen war.

Mob

Bilder aus Irak? Nein, gerade mal 20 Minuten von unserer Wohnung.

Battlefield

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Ausgangssperre statt Hochzeit

Mittwoch, 21. November 2007 18:00

Eigentlich wären wir heute zur Hochzeit der Schwester unserer indischen Managerin eingeladen gewesen, und hatten auch fest vor, diese zu besuchen. Das Fest hätte auch in der City von Kolkata stattgefunden, also auch gut erreichbar für uns. Leider haben sich tagsüber die Meldungen verdichtet, dass es in der Innenstadt wüst zu und her geht (siehe folgenden Eintrag). Am Abend erreichte uns gar die Nachricht, dass in einigen Stadtgebieten Ausgangssperre verhängt worden ist.

Ausgangssperre

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Die Ersten werden die Letzten sein

Dienstag, 20. November 2007 23:59

Statt jeden Samstag ins Büro zu fahren, möchte ich lieber unter der Woche mehr arbeiten. Und da ich abends eh fast nie vor 7 Uhr nach Hause fahre, ist es naheliegend, am Morgen früher zu beginnen. Der Plan war, etwas nach 8 Uhr loszufahren um halb 9 mit der Arbeit anzufangen. Sooo früh ist 8 Uhr nun auch wieder nicht - wir haben’s allerdings nie geschafft, Mithun früher als 9 Uhr herzubestellen, da er einen recht langen Anfahrtsweg hat. Und abends hatten wir auch oft Ärger, wenn wir mal auswärts essen wollten und dafür extra auf einen anderen Fahrer warten mussten.

Tja - wenn ihm 8 Uhr nicht möglich ist, brauchen wir halt einen anderen Fahrer. Also: Calcutta Cabs über die Lage informieren und einen anderen Fahrer für 7:45 bestellen - und dann mal früh aus den Federn.

Leider hat der Typ von Calcutta Cabs weder den Fahrer noch die Zentrale darüber informiert. Lange waren beide nicht erreichbar - schlussendlich wurden wir um 11:15 Uhr abgeholt - vom altbekannten Fahrer Mithun. Kleiner Trost: seit Mittwoch klappt es vorläufig, wir werden am Morgen von einem anderen Fahrer abgeholt und am Abend wieder von Mithun - der jetzt am Abend irgendwie mehr Zeit hat.

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(Kein) Om Shanti Om

Sonntag, 18. November 2007 23:59

Om Shanti OmGerne hätten wir wieder mal einen indischen Film im Kino gesehen. Und hätte auch gepasst, denn der neue Film mit dem Superstar von Bollywood, Shah Rukh Khan (SRK), ist vor kurzem in den Kinos angelaufen und wurde uns von den indischen Kollegen wärmstens empfohlen (wobei das noch lange nicht heisst, dass sie ihn gesehen hätten…).Unsere Pläne wurden dieses Wochenende jedoch zu nichte gemacht, weil der Streifen schon Tage zuvor für restlos ausverkaufte Kinosäle gesorgt hatte. Vielleicht später einmal… oder auf DVD - mit ganz viel Glück sogar mit englischen Untertiteln.

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Zyklon “Sidr”

Freitag, 16. November 2007 23:59

Am Donnerstag Abend wurden wir um 7 Uhr nach Hause geschickt. Grund war die Sturmwarnung vor dem Zyklon “Sidr”, welcher auf direktem Kurs auf Kolkata war. Am Morgen habe ich in der Zeitung noch gelesen, dass Sidr mit 40% Wahrscheinlichkeit über Kolkata wüten wird, zu 60% über Bangladesh. Die indische Grossstadt hat sehr viel Glück gehabt, der Zykon hat im letzten Moment den Kurs geändert - zu Ungunsten von Bangladesh, wo über zweitausend Todesopfer zu beklagen sind.

Cyclone SIDR

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Streik oder nicht Streik?

Mittwoch, 14. November 2007 23:59

Nach erneuten Gräueltaten in Nandigram (mind. 10 Menschen sollen gestorben sein an vergangenem Wochenende) wurde von verschiedenen oppositionellen Parteien und Gruppierungen zu einem zweitägigen Streik aufgerufen.

Checkpoint Nandi

So nebenbei: Streiks sind hier im Prinzip illegal, daher vermeiden alle die englischen Bezeichnungen Bandh und Strike - und so ist immer von Shutdowns, Stops, Slowdowns, Halts und weiteren Ausdrücken die Rede.

Shutdown offAm Montag sind dann auch nur wenige im Büro erschienen. Unser Taxi Provider hat sich eigentlich dem Streik angeschlossen, die Fahrer machten jedoch für regelmässige Kunden Ausnahmen. Da am späten Abend per Mail verkündet wurde, die IBM offices in Kolkata würden am Dienstag geschlossen bleiben,  bestellte ich unseren Fahrer Mithun ab und machte mich auf Home-Office gefasst. Tja, aus der Morgenzeitung haben wir dann erfahren, dass der Streik abgeblasen worden war, und so ging’s dann doch noch in’s Büro.

Ein grosser Protestmarsch durch die Stadt mit ca. 60′000 Personen stellte am Mittwoch ein weiteres grosses Zeichen dar für die Unzufriedenheit mit der Regierung dar. In Westbengalen sind die Kommunisten seit über 30 Jahren ununterbrochen an der Macht und haben einen grossen Rückhalt in der ländlichen Bevölkerung wie auch bei den begünstigten Technologiefirmen… ob sich das durch die Sache mit Nandigram ändern könnte…?

Protestmarsch durch Kolkata

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Krise in Nandigram

Sonntag, 11. November 2007 23:59

Das Thema, das zur Zeit die Medien und auch die Menschen von Kolkata am meisten beschäftigt, ist die Krise in Nandigram.

Nandigram blutet!

Ein kurze Zusammenfassung der Hintergründe:
Das Wirtschaftswachstum lässt in ganz Indien hunderte von Special Economic Zones (SEZ) entstehen; das sind Gebiete, in denen besonders wirtschaftsfreundliche Gesetze gelten und grosse Investoren aus der ganzen Welt anziehen sollen. Diese Zonen werden von der Regierung festgelegt - meist ohne grosse Rücksicht auf die dort lebenden Menschen. Zwar werden Entschädigungsgelder gezahlt, aber eine echte Zukunft hat die (grösstenteils bäuerliche) Bevölkerung dadurch nicht.

Nandigram - KarteNandigram liegt wenige Autostunden von Kolkata entfernt und wurde zu einer solchen SEZ erklärt. Die Ortschaft sollte grosse Gebiete an einen grossen indonesischen Investor abtreten, welcher dort u. a. die Konstruktion einer Autobahn sowie die Errichtung einer Chemiefabrik plante. Als sich die Bewohner zur Wehr setzten, reagierte die kommunistische Regierung Westbengalens mit aller Härte: ein Grossaufgebot von Polizisten sollte die Ordnung wiederherstellen; als diese auf Widerstand trafen, kam es zu gewalttätigen Auseinandersetzungen, bei denen 14 Menschen ihr Leben verloren.

Dieser Konflikt flammt seither immer wieder auf, und so ist des öfteren von Gewaltakten, Morden, Vertreibungen und Vergewaltigungen die Rede. Gegen dieses Vorgehen der Regierung wird demonstriert und zu Streik aufgerufen. Ziel ist es dabei, die Stadt lahmzulegen, um Druck auf die Kommunistische Partei zu machen. Vom Streik ausgeschlossen sind jeweils Krankenhäuser - und die IT-Industrie, weil die so enorm wichtig für die Stadt ist.

Shock & Shutdown

Für Interessierte habe ich noch einen ausführlicheren Artikel gefunden.

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Windows-TV

Samstag, 10. November 2007 23:59

Die Empfangsqualität von einigen guten TV-Sendern hat sich etwas verbessert, und so konnte ich über’s verlängerte Wochenende einige gute Filme auf englisch gucken. Zum Staunen gebracht hat mich allerdings das “Programm” auf einem indischen Sender. Fehlermeldungen sind ja was Alltägliches in der Windows-Welt. Aber bei einem (funktionierenden) Fernsehgerät? Ein Sender schien Probleme gehabt zu haben: das Einzige, was übetragen worden ist, war eine Windows-Fehlermeldung. :D

Windows-TVWindows-TV

Flimmerbedingt konnte ich den Fehlertext übrigens nicht so recht lesen (irgendwas mit “Unexpected error”) - aber hilfreich wäre der eh nicht gewesen.

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